Geförderte Projekte in der 3. Förderrunde

14 medizinische und biomedizinische Forschungsvorhaben der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg mit Laufzeiten von bis zu drei Jahren werden in der dritten Förderrunde der Von Behring-Röntgen-Stiftung unterstützt. Von neuen Verfahren zur Erkennung von Epilepsie bis zur Erforschung des Einflusses von Acetylcholin auf die humane Sepsis reichen die Themen der Projekte, die ab 2010 Fördergelder der Von Behring-Röntgen-Stiftung erhalten. Insgesamt schüttet die Stiftung in dieser Förderrunde rund 1,7 Millionen Euro aus.

Folgende Forschungsprojekte erhalten ab 2010 Unterstützung durch die Von Behring-Röntgen-Stiftung:

Einen Gesamtüberblick über die durch Hirnverletzungen hervorgerufenen Epilepsien soll das 4. Internationale Epilepsie Kolloquium geben, das 2011 in Marburg ausgerichtet wird. Das von Prof. Dr. Felix Rosenow, Prof. Dr. Hajo Hamer und Privatdozentin Dr. Susanne Knake organisierte Symposium wird mit 6.000 Euro unterstützt.

Weltweit werden die meisten Patienten mit einem Kopf-Hals-Karzinom durch Strahlentherapie behandelt. Dabei müssen erhebliche Nebenwirkungen, von denen in erster Linie die Speicheldrüsen betroffen sind, in Kauf genommen werden. Prof. Dr. Afshin Teymoortash, Prof. Dr. Rita Engenhart-Cabillic, Dr. Andreas Pfestroff sowie Prof. Dr. Konstantin Strauch konnten in Tierversuchen nachweisen, dass durch die Injektion von Botulinumtoxin (Botox) strahlenbedingte Drüsenschädigungen reduziert werden können. Die Marburger Forschergruppe will nun in einer klinischen Studie den therapeutischen Einsatz von Botox bei Tumorpatienten untersuchen. Das Projekt „Radioprotektion der Kopfspeicheldrüsen bei Patienten mit einem Kopf-Hals-Karzinom“ wird mit rund 87.000 Euro unterstützt.

Mit rund 199.000 Euro fördert die Von Behring-Röntgen-Stiftung das Projekt „Der regulatorische Einfluss nicht-neuronalen Acetylcholins in humanen Sepsis“ der Anästhesisten Prof. Dr. Markus Weigand aus Gießen und Privatdozentin Dr. Caroline Rolfes aus Marburg. Sepsis ist die Haupttodesursache auf den meisten Intensivstationen der westlichen Welt. Ziel des Projektes ist es, den Einfluss des Botenstoffs Acetylcholin auf die humane Sepsis und seine Bedeutung als Entzündungshemmer zu bewerten und damit die Grundlage für Therapiemöglichkeiten zu schaffen.

In ihrem Projekt „Role of receptor spezificy of influenza viruses in lung tropism and pathogenicity” möchten Dr. Susanne Herold aus Gießen und Dr. Mikhail Matrosovitch aus Marburg untersuchen, welchen Einfluss die Rezeptorspezifität auf den Zelltropismus und die Pathogenität verschiedener Influenzaviren hat. Ziel ist es, relevante Erkenntnisse über die Pathogenität von Influenzaviren zu erzielen. Die Stiftung stellt rund 123.000 Euro für das Projekt mit hochaktuellem Thema bereit.

Mit rund 137.000 Euro unterstützt die Stiftung den „Aufbau einer Core Facility für die vergleichende statistische Analyse hochdimensionaler molekularer und zellulärer Markerdaten auf der Basis von beschleunigten Algorithmen für Permutationstests, mit Durchführung einer genomweiten Assoziationsanalyse und von Pathwayanalysen zur Trauma-induzierten Sepsis“. Ziel des Vorhabens von Prof. Dr. Helmut Schäfer und Roman Pahl aus Marburg sowie Prof. Dr. Trinad Chakraborty und Dr. Hamid Hossain aus Gießen ist es, Methoden zu entwickeln, mit denen die komplexen Ursachen der Sepsis zuverlässig erfasst werden können.

In den klinischen Neurowissenschaften ist der Einsatz von Magnet-Resonanz-Tomographen (MRT) nicht mehr weg zu denken. Ein grundlegendes Problem ist jedoch die Qualitätssicherung der Messungen, vergleichbare Messungen zu machen und die Bilddaten vernünftig zu interpretieren. In ihrem Projekt wollen Dr. Jens Sommer, Dr. Andreas Jansen und Dr. Sören Krach aus Marburg eine Methode entwickeln, die zum einen die Qualitätssicherung des einzelnen MRT erlaubt und zum anderen den Vergleich von Ergebnissen unterschiedlicher MRT vereinfacht. Das Projekt wird mit rund 150.000 Euro unterstützt.

Epilepsien gehören zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Für die Behandlung bestimmter Formen der Epilepsie kann ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Erstmalig soll in einem von Prof. Dr. Susanne Knake gemeinsam mit Marburger und Gießener Kollegen initiierten Projekt eine neue Methode der Kernspintomographie eingesetzt werden, mit der die Strukturen der Großhirnrinde besser dargestellt werden können. Patienten, die als therapierefraktär eingestuft wurden, könnten damit möglicherweise als OP-Kandidaten vorgesehen werden. Die Stiftung unterstützt das Projekt „Parallele Multikanalbildung bei 3 Tesla in der prächirurgischen Epilepsiediagnostik“ mit 87.000 Euro.

Die Zahl von Patienten mit allergischem Asthma ist bis vor wenigen Jahren stetig gestiegen. Bis heute gibt es keine Kausaltherapie der Krankheit. In ihrem Forschungsvorhaben „Rolle von Micro-RNA in der Pathogenese des Asthma bronchiale“ wollen Dr. René Teich und Prof. Dr. Thomas Braun die Bedeutung sogenannter Micro-RNAs bei chronischen Entzündungsprozessen in der Lunge untersuchen. Perspektivisch können die neu gewonnen Erkenntnisse von großem Nutzen bei der Diagnose und der Therapie entzündlicher Erkrankungen sein. Das Gemeinschaftsprojekt, an dem Forscher aus Marburg, Gießen und aus dem Max-Planck-Institut in Bad Nauheim beteiligt sind, wird mit 180.000 Euro gefördert.

Mit 136.000 Euro wird das Projekt „Optische Kohärenztomographie der Netzhaut: Entwicklung von standardunabhängigen Algorithmen für die verbesserte qualitative und quantitative Auswertung pathologischer Veränderung bei degenerativen und neovaskulären Netzhauterkrankungen“ von Prof. Dr. Birgit Lorenz, Prof. Dr. Walter Sekundo sowie ihren Kollegen Prof. Dr. Edmuthe Meyer zu Bexten und Dr. Knut Stieger unterstützt. Das von den Augenkliniken Gießen und Marburg gemeinsam mit der Fachhochschule Gießen-Friedberg vorbereitete Projekt hat zum Ziel, durch die Entwicklung einer automatisierten Software Bilddaten besser auswerten zu können. Krankhafte Veränderungen der Netzhaut können mit der neuen Technik besser dargestellt und bewertet werden, sodass die Patientenbehandlung deutlich vereinfacht wird.

Das Forschungsvorhaben „Funktionelle Kartierung von genomischen p53-Bindungsstellen“ von Prof. Dr. Thorsten Stiewe aus Marburg sowie seinen Würzburger Kooperationspartnern Prof. Dr. Martin Eilers und Privatdozent Dr. Andreas Rosenwald, wird mit rund 242.000 Euro unterstützt. Ziel des Projekts ist es, die Funktion des Tumorsuppressors p53 im Hinblick auf eine Verbesserung der Tumortherapie zu modulieren.

Bei Röntgenuntersuchungen sind Kinder deutlich strahlenempfindlicher als Erwachsene und haben ein erhöhtes Risiko im Laufe ihres Lebens an Krebs zu erkranken. Dieses Risiko soll durch die Verwendung von sogenannten Monte-Carlo-Simulationen vermindert werden, bei denen die Strahlenbelastung entsprechend den physikalischen Begebenheiten nachempfunden werden kann. Mit rund 56.000 Euro wird das Forschungsvorhaben von Prof. Dr. Gerhard Alzen und Prof. Dr. Martin Fiebich aus Gießen sowie ihrem Marburger Kollegen Prof. Dr. Volker Klingmüller gefördert.

Für das Forschungsvorhaben „Die Rolle von Cardiotrophin-1 bei der Stammzell-Differenzierung während der Ischämie Reperfusion des Herzens“ von Prof. Dr. Heinrich Sauer aus Gießen sowie seinem Marburger Kollegen Dr. Thomas Meyer wendet die Stiftung rund 230.000 Euro auf. Ziel ist die Entwicklung therapeutischer Maßnahmen, mit denen die Gewebsregeneration nach einem Herzinfarkt unterstützt werden kann.

Mit 3.000 Euro unterstützt die Stiftung ein Treffen der Gießener Forschergruppen unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Weidner und Prof. Dr. Klaus Steger, die sich im Rahmen der Reproduktionsmedizin mit Fragen der männlichen Unfruchtbarkeit befassen.

Mit 50.000 Euro wird das Vorhaben „Mikroskopische Untersuchungen und Screening-Projekte“ von Privatdozentin Dr. Heike Krebber aus Marburg gefördert. Die Untersuchung molekularer Mechanismen der RNA-Prozessierung und der RNA-Translation ist die Voraussetzung für das Verständnis von Erkrankungen wie zum Beispiel Tumorerkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems. Für weitere Studien will die Forschergruppe nun eine neue Software einsetzen, die verbesserte Auswertungen erlaubt.

Nähere Auskünfte zu den Projekten erhalten Sie direkt bei den oben genannten Ansprechpartnern oder bei den Fachbereichen Medizin der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen.

 

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